Ich bin enttäuscht von dir, Demokratie

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Nach den desolaten Wahlergebnissen vom 18. Oktober sitze ich konsterniert im Büro. Was ist schief gelaufen gestern? Ich habe doch gewählt – und dann noch radikaler Links denn je –  trotzdem gewinnt die SVP.

Vor mir prangt in einem Tab das Mitgliederportal der SP Schweiz. Eintragen und Mitglied werden? Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass das keine Lösung für das Problem ist, spiele ich mit dem Gedanken. Schliesslich bin ich ja aber auch für längere Ladenöffnungszeiten –  ob die SP ihre Freude an mir hätte? Wohl kaum.

Wahrheit und Humanität bleiben aussen vor

Sowieso habe ich mich stets gegen engstirniges Parteidenken gewehrt. Wie hirnlose Meinungstruppen marschieren die Parteien auf der Bühne der Demokratie aufeinander zu. Sie schreien sich gegensätzliche Meinungen um die Ohren. Das Volk als Publikum applaudiert in seiner Überforderung in die ihm vertraute Richtung. Wahrheit und Humanität haben auf der Bühne der Demokratie leider nichts zu suchen.

Ich komme zum eigentlichen Brief. Es ist kein Brief an die Linken Wähler, die sich «besser hätten mobilisieren» sollen. Die Worte richten sich nicht an die SVP, die mit ihrer plumpen Erstklässler-Propaganda die intelligenzscheuen Wähler auf ihre Seite zieht. Vielmehr prangere ich jenes System an, das all das ermöglicht hat, was gestern passiert ist. Die Demokratie.

Liebe Demokratie. Festgefahren in unseren Köpfen mit der Gunst, keine bessere Alternative für dich gefunden zu haben, dominierst du das politische Geschehen hierzulande. Von Links bis Rechts empfangen wir dich mit offenen Armen – das Volk stets mit dem Gefühl der Genugtuung, mitreden zu können.

Demokratie schafft Raum für Hass und Rassismus

Doch so sozial und grandios du dich gibts, so falsch und fehlerhaft bist du hinter deiner Fassade. Du lässt in deinen Reihen Rassismus  und höchst menschenverachtende Handlungen zu. Du lässt zu, dass im Bundeshaus mehr Meinungsmacher als Politiker, die eigentlich das Volk und nicht ihre eigenen Interessen vertreten sollten, sind. Du lässt Hass gegenüber anderen Menschen zu. Deinem Namen wirst du schon lange nicht mehr gerecht. Von einer «Herrschaft des Staatsvolkes» kann man heute nicht und konnte man nie reden.

Es ist vielmehr eine «Herrschaft des Geldes», die es den Starken ermöglicht, noch stärker zu werden und die Schwachen weiter schwächt. Wegen dir, liebe Demokratie, verschwenden Politiker Millionen von Franken und etliche Monate ihrer Amtszeit damit, sich für ihre Wiederwahl anstatt das politische Geschehen einzusetzen.

Zwar gibst du mir das Gefühl, Teil von einem Ganzen zu sein. Und trotzdem bin ich oftmals enttäuscht von dir. Du bist eine schöne Hülle mit starken Worten und einer positiven Philosophie – doch dein Inneres ist monetär beeinflussbar. Du hältst deine Versprechen nicht. Ich bin enttäuscht.

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